41. Copa Segantini in Maloja

Bin ich nervös? Gar Lampenfieber vor dem Spiel? Es ist ja nicht mein erstes Eishockeyturnier. Am traditionsreichen Segantini-Cup in Maloja im Bergell habe ich bestimmt schon fünf oder sechs Mal teilgenommen. Auf 1800 Meter über Meer ist die Luft etwas dünner – wahrscheinlich habe ich deshalb schlecht geschlafen. Unseren ersten Match spielen wir erst um 13 Uhr. Genug Zeit, um ausgiebig zu frühstücken und im Fernsehen die Vorbereitungen für die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen anzuschauen. Das Rennen selbst verpasse ich – weil ich dann selbst über das Eis gleite. Und zwar im Halbfinal gegen die Senioren-Mannschaft des HC Davos. Drei Viertel der gegnerischen Mannschaft sind ehemalige Profi-Eishockeyaner, darunter Ex-Nationalspieler wie Claudio Micheli. Gespielt wird zwei Mal 30 Minuten auf einem kleinen Natureis im Freien. Dieses ist zwar mit Banden gesichert, jedoch ohne Plexiglas. Dies soll sich später noch rächen… Vor Spielbeginn wischt ein kleiner Traktor mit vorgespanntem Besen den Schnee auf dem Eis in die Ecken zusammen. Dann ist Handarbeit gefragt: Mit Schaufeln wird das weiche Weiss über die Banden geschippt.

Der Schiedsrichter ruft uns Spieler zum Bully an den Mittelpunkt des Eisfelds. Das Spiel kann beginnen. In den ersten Minuten wehren wir uns erstaunlich gut. Wir – das ist ein zusammengewürfelter Haufen verschiedener Charaktere im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Was uns verbindet ist unsere Leidenschaft zum Eishockeysport. Und unsere Mitgliedschaft beim Akademischen Eishockeyclub Zürich, dem Veranstalter des Pietro Segantini-Cups in Maloja. Benannt ist das international besetzte Turnier nach dem verstorbenen ehemaligen Clubmitglied. Heute liegt die Organisation in den Händen seines Sohnes Gianni Segantini. Der erfolgreiche Gastronomie-Unternehmer ist der Urenkel des weltbekannten Bergeller Malers Giovanni Segantini.

Meine Hoffnung, die HCD-Cracks hätten am Eröffnungs-Dinner am Vorabend etwas zu tief ins Glas geschaut und darob müde Beine bekommen, löst sich in Nichts auf. Irgendwie ist das auch egal. Die ehemaligen Profis wären auch auf einem Bein noch wendiger als wir; ihre Pässe kommen zielgenau und mit der Geschwindigkeit eines Torschusses. Aufopfernd kämpfend halten wir bis zur Pause ein Null-zu-Null. In der zweiten Spielhälfte zeigt sich dann die individuelle Klasse der Davoser: Der Ex-Schweizer Internationale Claudio Micheli hat das Toreschiessen nicht verlernt und trifft zum eins zu null. Damit erleidet unsere Gegenwehr einen Einbruch. Innerhalb von fünf Minuten kassieren wir zwei weitere Gegentore. Nach dem obligaten “Handshake” nach Spielschluss verlassen wir das Eis trotzdem mit erhobenen Köpfen. Ein null zu drei gegen ehemalige Profis ist ein achtbares Ergebnis.

Im zweiten Halbfinal setzen sich die Deutschen von der Mannschaft “Hot Docs München/Mannheim” klar gegen die Senioren des HC Luzern durch. Auch in diesen beiden Teams spielen mehrere ehemalige Nationalspieler. Damit spielen wir im kleinen Final gegen die Luzerner um Rang drei. Die Partie wiegt lange hin und her. Kurz vor Schluss führen die Innerschweizer mit 5 zu 3 Toren. Mit letzter Kraft stemmen wir uns gegen die drohende Niederlage. Sekunden vor dem Schlusspfiff trifft tatsächlich unser Team-Senior zum Ausgleich! Nun muss das Penaltyschiessen entscheiden. Hier macht unser Uzwiler Original Manuel Krucker den Unterschied: Als einziger verwandelt er seinen Versuch. Die Akademiker beenden das Turnier als Dritte. Nach vielen Jahren auf dem vierten Rang ist das ein schöner Erfolg.

Im grossen Final wird den Cracks alles abverlangt: Der immer stärker werdende Schneefall verunmöglicht genaue Passspiele. Dann ein Schreckmoment für die Zuschauer: Ein Davoser schiesst den Puck ungewollt über die Bande, wo eigentlich ein Plexiglas die Hartgummischeibe auf dem Spielfeld halten sollte. Mit hoher Geschwindigkeit trifft die schwarze Scheibe ausgerechnet unseren Präsidenten am Kopf! Glücklicherweise konnte er kurz vor dem Aufprall sein Gesicht abwenden. Die stark blutende Wunde am Hinterkopf muss aber umgehend genäht werden. Als zäher Sportler steht der versehrte Vereinspräsident eine knappe Stunde später bereits wieder an der Bande und verfolgt das Ende der Partie. Dieses Jahr darf er den Siegerpokal den Davosern überreichen.

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